Wie komme ich auf das Thema Freundschaften pflegen?
Im Frühjahr hatte ich ein Erlebnis, das mich veranlasste, diesen Beitrag zu schreiben. Mit einer Bekannten machte ich einen Spaziergang über „mein“ Bergle hinter dem Wohnhaus. Sie fragte mich, ob ich einen gewissen Herrn XY aus meinem Ort kennen würde. Seine Frau war vor einiger Zeit verstorben, und sie wollte diesem Herrn schon lange einen Besuch abstatten, um zu sehen, wie es ihm geht. Der Name sagte mir nichts, aber sie konnte beschreiben, wo er ungefähr wohnt. Wir beschlossen, auf dem Rückweg in der besagten Straße einfach nach den Klingelschildern zu sehen.
Dabei kamen wir am Friedhof vorbei, und sie äußerte den Wunsch, das Grab der verstorbenen Ehefrau zu besuchen. Gesagt, getan – sie suchte das Grab, und ich ging derweil zum Grab meines Vaters, um dort nach dem Rechten zu sehen. Als ich fertig war, fand ich meine Bekannte schluchzend und völlig fassungslos an einem Grab vor. Auf dem Doppelgrab stand ein frisches Holzkreuz, daneben einige vertrocknete Gestecke und Kränze. Herr XY war erst wenige Wochen zuvor verstorben.
Ich hatte den Eindruck, dass sie vor allem deswegen so verzweifelt war, weil sie die Gelegenheit versäumt hatte, diesem Herrn ihren Besuch abzustatten. Dieses Erlebnis ging mir lange nicht mehr aus dem Kopf und brachte mich zum Nachdenken über meine eigenen Freundschaften und Bekanntschaften.
Weihnachtsgrüße schicken reicht nicht
Wie oft habe ich mir vorgenommen, mich mehr um Freunde, Bekannte und vor allem ältere Menschen zu kümmern. Doch im Alltag gerät dieser Vorsatz oft in Vergessenheit. Erst am Jahresende, wenn ich Weihnachtsgrüße verschicke, fällt mir wieder ein, dass ich mich das ganze Jahr über nicht gemeldet habe.
Zum Jahreswechsel habe ich deshalb beschlossen, den Kontakt zu mir wichtigen Menschen bewusst und konsequent zu pflegen. Dafür habe ich einen Plan erstellt:
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Alle meine Kontakte sind in einer Liste erfasst und in Kategorien eingeteilt.
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Ich lege fest, in welchen Abständen ich wen anrufen, anschreiben oder treffen möchte.
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Wichtige Termine wie Geburtstage oder Jubiläen trage ich in meinen Kalender ein.
So vergesse ich keinen meiner Freunde mehr und kann durch kleine Gesten wie eine Karte oder einen Anruf zeigen, dass sie mir wichtig sind.
Was noch wichtig ist beim Pflegen von Freundschaften
Neben dem regelmäßigen Kontakt gibt es weitere Faktoren, die echte Freundschaften ausmachen:
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Geben und Nehmen sollten im Gleichgewicht sein.
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Ehrlichkeit und Vertrauen sind das Fundament – Lügen oder hinter dem Rücken reden zerstören jede Freundschaft.
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Akzeptanz: Nörgeln und Kritisieren belasten die Beziehung.
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Verzeihen können – niemand ist perfekt.
Warum Freundschaften so wichtig sind
Viele Menschen kreuzen im Laufe unseres Lebens unseren Weg. Manche bleiben nur kurz, andere begleiten uns über Jahre. Mit der Zeit trennen sich Wege – manchmal zum Guten, manchmal, weil wir uns auseinandergelebt haben. Doch oft verlieren wir auch Menschen aus den Augen, die uns eigentlich wichtig sind.
Wenn wir dann alte Fotos durchsehen, fragen wir uns: „Was ist wohl aus ihm oder ihr geworden?“ Besonders in Zeiten persönlicher Krisen zeigt sich, wie wertvoll eine gute Freundin oder ein guter Freund ist.
Mit zunehmendem Alter werden Freundschaften noch wichtiger. Wer es versäumt, sie zu pflegen, riskiert, im Alter einsam zu sein. Neue Freundschaften zu knüpfen ist dann oft schwieriger. Deshalb gilt: Freunde fürs Leben sollte man wie einen Schatz behandeln – aktiv und bewusst pflegen, damit man sie nie verliert.